Besprechungen

Belletristik (40 Titel)

* Koller, Boni: Globi im Spital.
Ill. von Samuel Glättli.
Zürich: Globi Verlag, 2020.
100 S., geb., Fr. 24.90.
(978-3-85703-449-7).
Durch den Unfall von Frau Peroni lernt Globi den Alltag in Spital und Pflege kennen. Erst kommt der Rettungswagen und es geht in den Notfall. In der weiteren Geschichte erkundet Globi die verschiedensten Abteilungen im Spital von der Pflege über das Labor bis hin zur Wäscherrei. Später begleitet Globi Frau Peroni noch ins Pflegezentrum und lernt, als sie wieder zu Hause ist, die Spitex kennen. Das Buch bietet in der bekannten und beliebten lustigen Art von Globi einen guten Einblick in die Gesundheitsberufe.
K Globi, Spital, Pflege. Ab 3, s.e. SW
* Hennig, Dirk: Der geheimnisvolle Zauberhut.
Ill. von Dirk Hennig.
Frankfurt a. M.: Fischer, 2020.
45 S., geb., Fr. 14.90.
(978-3-7373-3420-4).
Dem Zauberlehrling ist sein Wetterzauber völlig aus der Kontrolle geraten. Denn der Zauberstab, den er der grossen Hexe Mona gestohlen hat, ist zerbrochen. Die mutige Maja hilft ihm, sein Missgeschick wieder in Ordnung zu bringen. Eine aufregende Geschichte für das erste Lesealter. Viele Wörter sind nicht ausgeschrieben, sondern durch bunte Bilder dargestellt. (Duden - Leseprofi)
K Erstes Lesealter, Zaubern. Ab 6, e. HA
* Waechter, Philip: Toni will ans Meer.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
64 S., geb., Fr. 18.90.
(978-3-407-75556-8).
An einem verregneten Tag im April spielt Toni mit der Katze in seinem Zimmer, als seine Mutter hereinkommt und ihm eröffnet, dass sie kein Geld für den geplanten Urlaub am Meer haben.
Ein harter Schlag für Toni, den auch die Aussicht auf Ausflüge in die Umgebung nicht abmildert.
Doch ihm gelingt es, eine Reise in einem Preisausschreiben zu gewinnen. Nach anfänglicher Begeisterung brechen er und die Mutter den Aufenthalt im Luxushotel Tannenblick (”Für Menschen in ihren besten Jahren”) allerdings ab - sie passen dort nicht hin und bekommen dies auch deutlich zu spüren.
Gute Freunde leihen ihnen ein Auto und die Campingausrüstung und so geht doch noch ans Meer. Dort lernen Toni und seinen Mutter einen recht selbstbestimmten Hund kennen, es wird gespielt, geradelt und geschwommen. Nach unbeschwerten Tagen in der Natur freut sich Toni wieder auf sein Zuhause in der Stadt. Und natürlich auf die Katze Miezi.
Dies ist bereits die zweite Geschichte, die der Frankfurter Illustrator Philip Waechter über Toni erzählt.
Wie in “Toni und alles nur wegen Renato Flash”, als es darum ging, Geld für Fussballschuhe aufzutreiben, zeigt er auch diesmal Tonis optimistische, anpackende Sichtweise auf die Welt. Probleme sind zum Lösen da und das gelingt am besten gemeinsam. Toni teilt seinen Kummer mit dem Freund, vertraut sich dem Kioskbesitzer an, erklärt sich der Mutter, geigt Handy-Henri seine Meinung. Es ist schön mitzuerleben, wie sich durch gelungene Kommunikation die Dinge zum Schönen entwickeln und wie sich Tonis Vertrauen in sich und die Welt auszahlt.
Sehr schön gezeichneter Comic über eine gelungene Mutter-Sohn-Beziehung, die Freuden des Campingurlaubs und die Lebensfreude junger Menschen.
K Comic Ferien. Ab 6, e. dh
* Frey, Jana: Zwei Meermädchen und ein flossenstarkes Abenteuer.
Ill. von Katharina Wieker.
Würzburg: Arena, 2020.
43 S., geb., Fr. 12.30.
(978-3-401-71610-7 Der Bücherbär 1. Klasse).
Obwohl Mari und Perla, zwei Meermädchen, beste Freundinnen sind, möchte Perla die Glitzermuschel nicht teilen. Alleine macht sie sich auf den Weg zur Ballettschule. Dabei gerät sie in einen Strudel und könnte jetzt Maris Hilfe gut brauchen. Mari bleibt traurig zurück und macht sich erst langsam auf den Weg zur Ballettschule. Als sie dort Perla nicht findet, macht sie sich auf die Suche. Kann sie Perla aus dem Strudel retten?
Eine Freundschaftsgeschichte angesiedelt in einem phantasievollen Raum. Das Niveau entspricht eher der 2. bzw. 3. Klasse. Die klaren Bilder zeigen eindrücklich die Gefühle der beiden Mädchen. Die abschliessenden Rätsel sind klar und gut gestaltet.
K Abenteuer Phantasie. Ab 7, e. ls
* Hach, Lena: Hugo und Big Dschi.
Ill. von Kai Schlüttler.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
67 S., geb., Fr. 14.50.
(978-3-407-75551-3).
In dieser schelmischen Geschichte geht es um Wünsche. Es geht um so wunderschöne Worte wie pompöse Plauderei, Schabernack, Sudelei, Schlendrian oder stimmungsvolles Speisen. Und es geht um Hugo.
Hugo wohnt in einer riesigen Villa. Der Junge hat einen Hauslehrer, aber keine Freunde. Das ändert sich, als Hugo im Garten eine Flasche findet, in der ein Flaschengeist wohnt. Big Dschi, der Geist, stellt erst mal klar, dass Hugo ihm ab jetzt alle Wünsche zu erfüllen hat.
Diese fantasievolle Geschichte ist bestens geeignet für neugierige Erstleser und Erstleserinnen. Der Text ist einfach und mit einem ausgesuchten, speziellen Wortschatz ausgestattet. Die witzigen Illustrationen unterstützen die Lust am Lesen fabelhaft.
K Erstes Lesealter Lustiges. Ab 7, s.e. RH
* Kuhl, Anke: Manno!.
Leipzig: Klett-Kinderbuch, 2020.
128 S., geb., Fr. 25.90.
(978-3-95470-218-3).
Das bunte Buch erzählt in herrlichen Comic-Episoden von der Kindheit der Illustratorin, also von der kleinen Anke, welche mit ihrer Schwester Eva in einer hessischen Kleinstadt aufwuchs. "Alles genau so in echt passiert!" Spezialspiele bei den Grosseltern, schlimme nächtliche Gedanken, der gestohlene Rosenkohl für den Barbiesalat, Geschwisterkampf mit den Klobürsten... Seien die 18 Episoden lustig oder tieftraurig: Sie alle berühren Kinder von früher und Kinder von heute!
K Comic. Ab 7, s.e. AG
* Schwarze, Tanja: Die kleine Fee Zitrönchen Ärger mit den Wassernixen.
Ill. von Màriam Ben-Arab.
Berlin: Ueberreuter, 2020.
160 S., geb., Fr. 19.90.
(978-3-7641-5177-5).
Die kleine Fee Zitrönchen erlebt ein neues Abenteuer mit ihren Freundinnen. Sie lernen die Wassernixen kennen und da diese Zitrönchen auslachen ist sie richtig sauer auf sie. Nach einem dreiwöchigen Regen bitten die Wassernixen auch noch die Feen um Hilfe, da ihr Teich verdreckt wurde und freunden sich mit ihnen an. Das findet Zitrönchen furchtbar und kommt auf üble Ideen, um sich der Wassernixe, die bei ihr wohnt zu entledigen. Daneben gründet das kleine Blauhimmelchen eine Detektivagentur, um die Herkunft von gefährlichen Löchern zu ergründen. Die Kleinen treffen dabei auf "Riesen" und können eine Kröte und die Wassernixe retten.
Ein schön gestaltetes abwechslungsreiches Buch mit vielen bunten Illustrationen. Durch den kleinen Druck und die Menge des Textes eher zum Vorlesen geeignet.
K Freundschaft, Feen, Streit. Ab 7, e. SW
* Sparring, Anders: Der Riesenlolli-Raub.
Ill. von Per Gustavsson.
A. d. Schwed. von Friederike Buchinger.
München: Hanser, 2020.
62 S., geb., Fr. 15.90.
(Familie von Stibitz, 978-3-446-26621-6).
Zur Familie von Stibitz gehören Mama Fia, Papa Ede, Tochter Ella und Sohn Ture. Der Vater liest ganz stolz den Zeitungsartikel über einen unbekannten Fahrraddieb und bei der Überschrift "Äpfelklau nimmt zu" schaut er freudig zu seiner Tochter Ella. Sorge bereitet den Eltern nur Ture, weil der nichts stibitzen will, nur dann durch Türen geht, wenn jemand "Herein" gesagt hat und der auch nicht lügen will.
Bald hat Ture Geburtstag und er wünscht sich einen Riesenlolli, wie er einen im Schaufenster des Süssigkeitenladens gesehen hat. Familie von Stibitz beschliesst, einen Tunnel zum Süssigkeitenladen zu graben. Als sie dort ankommen, ist der Lolli aber weg.
Dies ist der ertse Band der Reihe "Familie von Stibitz". Die Geschichte ist spannend und temporeich in gut verständlichen Sätzen und mit viel Witz erzählt. Die Geschichte ist recht kurz, die Seiten mit farbigen Bildern aufgelockert und eignet sich auch für Kinder, die noch nicht so gut lesen können oder auch zum Vorlesen.
K Heiteres. Ab 7, e. CD
* Sparring, Anders: Die Ganoven-Omi.
Ill. von Per Gustavsson.
A. d. Schwed. von Friederike Buchinger.
München: Hanser, 2020.
62 S., geb., Fr. 15.90.
(Familie von Stibitz, 978-3-446-26622-3).
Papa von Stibitz liest in der Zeitung einen Bericht über eine grosse Diamanten-Ausstellung im Museum der Hauptstadt. Die Eltern beschliessen, diese Ausstellung zu besuchen. Ella und Ture sollen allein zu Hause bleiben. Weil Ture nicht so gut lesen kann, fragt er den Nachbarn, Polizist Eisig, ob er eine Geschichte vorlesen könne. Als Polizist Eisig erfährt, dass Mama und Papa von Stibitz die Ausstellung anschauen wollen, macht er sich selbst auf den Weg in die Hauptstadt. Damit jemand die Geschichte vorlesen kann, beschliessen die zwei Kinder, ihre Oma im Gefängnis zu besuchen. Als die Oma von der Diamanten-Ausstellung erfährt, bricht sie mit ihren Enkelkindern aus dem Gefängnis aus und macht sich mit ihnen auf den Weg ins Museum.
Dies ist der zweite Band über die Familie von Stibitz. Die Geschichte ist witzig erzählt und die Handlung sehr turbulent. Da die Geschichte recht kurz ist, eignet sie sich auch für wenig geübte LeserInnen.
K Familie Heiteres. Ab 7, e. CD
* Voll super, Helden - was tun wir hier eigentlich?.
Würzburg: Arena, 2020.
149 S., geb., Fr. 13.50.
(978-3-104-60467-1).
Die eine Hälfte von London liegt in Trümmern und von der anderen ist auch nicht mehr viel übrig. Das können Julian, genannt Juli, und Jenny von oben auf dem Riesenrad gut sehen, dazu brauchen sie ihre brandneue Röntgenbrille nicht. Sie stehen in einer Kabine am höchsten Punkt des Rades und die Stadt liegt direkt unter ihnen. Und da ist natürlich auch Snakeman, der Riesenschurke, der sie hier raufgeschleppt hat, damit Juli und Jenny sein Werk der Zerstörung bewundern können. Wie konnte es nur soweit kommen?
Eben hatte sich Juli noch auf seine Sommerferien gefreut, die er mit seiner Cousine Jenny im Hotel der Superhelden verbringen dürfte. Doch kaum sind sie angekommen, wartet auch bereits ein dringender Einsatz auf die zwei Nachwuchssuperhelden. Sie müssen den fiesen Snakeman aufhalten. Dessen mutierte Riesenkaninchen sind zwar weich und flauschig, aber sie bringen eine Grossstadt nach der anderen zum Einsturz! Snakemans Ziel ist nichts weniger als die Weltherrschaft! Können die beiden den Schurken und seine Riesenkaninchen doch noch rechtzeitig stoppen?
Der Schreibstil in dieser vergnüglichen, actionreichen Geschichte ist kindgerecht, locker, leicht, mit kurzen Kapiteln und grosser Schrift. Die Geschichte überrascht mit unvorhergesehenen Wendungen und witzigen Dialogen: viel Spannung, viel Action und viele witzige Sprachspiele. Empfehlenswertes Lesefutter!
K Action Freundschaft Lustiges. Ab 8, e. RH
* Mahne, Nicole: Mia und die aus der 19.
Ill. von Kai Schlüttler.
Grevenbroich: Südpol, 2020.
119 S., geb., Fr. 18.90.
(978-3-96594-037-6).
Mia geht in die 3. Klasse. Sie ist ein neugieriges und schlaues Mädchen, das gerne Detektivin werden möchte. Jil, Mias beste Freundin findet zwar, dass Detektivin kein richtiger Beruf ist, sondern ein Spiel für Kleinkinder. Aber das ist Mia egal. Seit sie Herr Rippel aus der 19 getroffen hat, hat Mia auch ihren ersten Fall zum Lösen: Pirat, der Kater aus der 19, wurde gestohlen!
Und Mia legt los. Sie ermittelt Undercover und lernt die Bewohner der 19 kennen. Das ist ausserordentlich spannend, beherbergt die Nummer 19 doch eine betreute WG mit ganz besonderen Bewohnerinnen und Bewohnern. Und beobachten und kombinieren ist ja Mias Stärke!
Diese liebenswürdige Detektivgeschichte überzeugt mit interessanten und originellen Charakteren. Sie steht für wichtige Werte wie Freundschaft, Familie Toleranz und das Miteinander der Generationen. Text und Bild stellen eine Einheit her und harmonieren perfekt.
K Krimi Aussenseiter. Ab 8, s.e. RH
* reider, Katja: Fantastische Meermädchengeschichten.
Ill. von Lisa Brenner.
Ravensburg: Ravensburger, 2020.
43 S., geb., Fr. 12.70.
(978-3-473-36134-2 Leserabe, 2.Lesestufe).
Drei Geschichten von den verschiedenen Meermädchen. Da ist Enya, die schon lange mehr Wissen will über die Menschen und sich einen Freund wünscht. Aber ist es nicht zu gefährlich so nahe an den Strand zu schwimmen? Undine und Maila ärgern sich mit den anderen Seebewohnern über zwei Abfallsünder. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, um diese zu verjagen. Ob das wohl gelingt? Yara gefällt es zwar zusammen mit ihren Freundinnen Meri und Delphine in ihrer Felshöhle am Grunde des Flusses. Doch was ist wohl in der weiten Welt zu entdecken? Yara macht sich auf den Weg und schreibt den Freundinnen regelmässig. Findet sie wohl den schönsten Platz?
Die Bilder sind bunt und klar. Schon daraus können Kinder einiges ablesen. Die Geschichten beflügeln die Phantasie und lassen sich weiterdenken. Wie es in dieser Reihe üblich ist, werden am Ende einer Geschichte Fragen zur Reflexion gestellt. Die Rätsel am Ende des Buches dienen dem Textverständnis und der Wortschatzerweiterung.
K Phantasie Fabelwesen. Ab 8, s.e. ls
* Taschinski, Stefanie: Familie Flickenteppich - Wir haben was zu feiern.
Ill. von Anne-Kathrin Behl.
Hamburg: Oetinger, 2020.
225 S., geb., Fr. 0.00.
(978-3-7891-1381-9).
Emma lebt mit ihrem Vater, ihrem älteren Bruder und der kleinen Schwester im Mehrfamilienhaus Nr. 11. Sie erzählt über den Alltag und das Zusammenleben im Mehrgenerationenhaus. Der Kontakt und die Hilfsbereitschaft untereinander ist sehr gross. Und das ist auch gut so. Denn im Haus Nr. 11 gibt es laufend schwierige Notsitutationen, bei denen man auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen ist. Es gibt aber auch gute Gründe, um gemeinsam ein Fest zu veranstalten. Durch die tollen, farbenfrohen Illustrationen werden den Lesenden Emma und ihre Familie sowie die Mitbewohnerinnen und -bewohner des Hauses Nr. 11 bildlich vorgestellt.
K Familie, Freundschaft. Ab 8, e. HA
* Baltscheit, Martin: Ben und Theo : zwei sind einer zuviel.
Ill. von Sandra Brandstätter.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
119 S., geb., Fr. 18.90.
(978-3-407-75548-3).
Ben und Teo sind Zwillinge. Und eigentlich allerbeste Freunde. Aber immer nur als "BenundTeo" wahrgenommen zu werden, das nervt!
Als sie einen Zauberspiegel finden, geht Ben auf die andere Seite, in eine Welt ohne seinen Bruder. Jetzt lebt jeder für sich - endlich mal keinen Zwillingsbruder an der Backe! Aber es ist auch keiner da, der einem hilft, der einen vorbehaltlos versteht. Wie kommen sie wieder zurück? Denn ihr Vater hat den Spiegel in der Zwischenzeit "repariert"!
Bevor sie wieder zusammenkommen können, müssen die Zwillinge den ominösen Spiegelmacher ausfindig machen und beweisen, dass sie wirklich zusammengehören!
Diese realistische Fantasy Geschichte wird von Martin Baltscheit flott und lebhaft erzählt. Seine eigenen Söhne bieten ihm authentische Vorlagen. Er lässt Ben und Teo abwechslungsweise erzählen und erzeugt damit Spannung und Situationskomik. Unterstützt wird der gut lesbare Text durch witzige, stimmige Illustrationen von Sandra Brandstätter.
J Familie Zwillinge Fantasy. Ab 9, e. RH
* Colombo, Miralda: Heldenatlas. 101 Frauen und Männer, die die Welt verändert haben.
Ill. von Ilaria Faccioli.
A. d. Ital. von Dr. Ulrike Schimming und Eva Baumgart- Catania.
Zürich: Midas, 2020.
95 S., geb., Fr. 33.50.
(978-3-03876-150-1).
Hundert Frauen und Männer, die in verschiedenen Jahrhunderten und geografischen Orten ihre Spuren hinterlassen haben, sind in diesem grossformatigen Buch vereint. In Kapiteln wie Genies, Mutige, Künstler, Vordenker, Schriftsteller und Visionäre finden wir bekannte und auch weniger bekannte Namen. Die kurzen Texte in der Ich-Form zu den Persönlichkeiten zeigen knapp die Besonderheit ihres Wirkens wie auch ihr Lebensmotto.
Eine spannende Sammlung von Persönlichkeiten! Zur Vertiefung muss aber dann doch noch ein Hilfsmittel (ev. Internet) beigezogen werden. Auch gewisse Begriffe sind für das Zielpublikum nicht so einfach verständlich (Bsp. Apartheid).
J Biographie. Ab 10, e. ls
* Feibel, Thomas: Happy - Der Hund im Handy.
Ill. von Jutta Wetzel.
Hamburg: Carlsen, 2020.
176 S., brosch., Fr. 11.90.
(978-3-551-31835-0).
So happy sind die vier Freunde Finja, Wei, Lenny und Omar mit ihrem Hund im Handy nicht mehr. Ihre Freundschaft wird durch den virtuellen Hund auf eine harte Probe gestellt und zerbricht beinahe daran. Der Autor zeigt mit seiner Geschichte, wie schnell man durch das Herunterladen einer App abhängig und süchtig danach werden kann. Noch viel schlimmer wird es, wenn man merkt, dass man durch das System ausspioniert wird, private, sehr persönliche Fotos im Internet kursieren, Lügen im Netz verbreitet werden und man sich durch das Spiel gar verschuldet. Die Hersteller des Spiels sind machtlos, wenn die künstliche Intelligenz sich verselbständigt. Ein interessantes, wenn auch trauriges Beispiel, was alles passieren kann, wenn das Spiel zur Sucht wird und ausser Kontrolle gerät.
Der Text wird durch die schwarz/weissen Illustrationen aufgelockert und die Gefühle der gezeichneten Personen sehr gut dargestellt.
K Cyberspace. Ab 10, e. HA
* Höfler, Stefanie: Helsin Apelsin und der Spinner.
Ill. von Anke Kuhl.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
205 S., geb., Fr. 16.90.
(978-3-407-75554-4).
Louis, der Neue in der Klassse, findet, dass sich Helsin Apelsin wunderbar reimt. Helsin findet dies jedoch überhaupt nicht lustig. Und weil sie nicht nur ein fröhliches, sondern auch ein zappliges, temperamentvolles Energiebündel ist, schwappt in solchen Situationen die Kribbelwelle durch ihren ganzen Körper und der Spinner (= ihr unkontrollierter Wutausbruch) bricht wie ein Vulkan aus ihr heraus. So lernen sich Helsin und Louis unter widrigen Umständen kennen. Bis die beiden Freunde werden, vergeht einige Zeit und viele schöne wie auch schwierige Situationen erleben sie zusammen bzw. müssen sie gemeinsam meistern.
Die Autorin versteht es ausgezeichnet, Begebenheiten bildlich und mit Witz zu beschreiben, ohne dabei langatmig oder gar langweilig zu werden.
Am Anfang eines jeden neuen Kapitels gibt es eine schwarz/weisse Illustration, die den jeweiligen Inhalt zusammenfasst. Es gelingt der Illustratorin sehr gut, das Wesentliche aus dem entsprechenden Kapitel zu visualisieren.
K Freundschaft. Ab 10, e. HA
* Kaurin, Marianne: Irgendwo ist immer Süden.
A. d. Norweg. von Franziska Hüther.
Zürich: Atrium, 2020.
229 S., geb., Fr. 21.90.
(978-3-96177-050-2).
Ina besucht die 6. Klasse und lebt seit einem Jahr mit ihrer Mutter im Tyllebakken Quartier.Eine eher heruntergekommene Gegend. Deshalb wird sie im Volksmund Güllebakken genannt.
Am letzten Schultag vor den grossen Sommerferien erzählen Inas Mitschülerinnen und Mitschüler, wo sie alle ihren Urlaub verbringen werden. Nur sie selbst kann nicht verreisen. Deshalb lügt sie und erzählt, dass sie in den Süden fahren wird. Sie klammert sich krampfhaft an ihr Lügenkonstrukt und hofft, dass sie endlich in die Clique der begehrtesten Mädchen aufgenommen wird. Obwohl Ina während der Ferienzeit im Nachbarjungen Vilmer einen wertvollen Freund gefunden und mit ihm glückliche, lustige, spannende und unbeschwerte Wochen in Güllebakken verbracht hat, lügt sie weiter als alles auffliegt. Mit ihren Lügen verletzt sie den Südenfreund Vilmer zutiefst. Kann sie das je wieder gut machen? Denn ein "Entschuldigung" oder "es tut mir leid" genügt nicht. Sie muss Entschuldigung tun!
"Irgendwo ist immer Süden" ist eine berührende Geschichte über das Lügen, zu sich selbst stehen, Freundschaft, Liebe und Mut. Sie regt zum Nachdenken an.
K Freundschaft. Ab 10, e. HA
* Lloyd, Natalie: Die unzertrennlichen Sieben.
Ill. von Júlia Sardà.
A. d. Engl. von Sandra Knuffinke und Jessika Komina.
München: Hanser, 2020.
267 S., geb., Fr. 24.90.
(978-3-446-26617-9).
Die kuriose Geschichte erzählt von sieben Geschwistern und ihren Gegnern, den fiesen Bösewichten. Problemski heissen die Kinder, jedes ist an einem anderern Wochentag geboren. Und Probleme gibt es mehr als genug! Das Haus brennt ab, die Eltern sind nicht erreichbar, sie sind irgendwo auf Abenteuerjagd. Eine leicht übertriebene komisch illustrierte, skurrile Story, untermalt mit vielen mittelmässigen Reimen und Gedichten. Ein Beispiel: Dufte, das jüngste der Geschwister, wird immer wieder mit seinen 365 stinkreichen Pupsvarianten beschrieben. Deshalb nur bedingt empfohlen.
K Familie. Ab 10, b.e. AG
* Luhn, Usch: Mala und das flüsternde Haus.
Berlin: Ueberreuter, 2020.
213 S., geb., Fr. 24.90.
(978-3-7641-5158-4).
Mala und Viktor leben im Kinderheim. Eine tiefe Freundschaft, wenn nicht gar eine Seelenverwandtschaft, verbindet die beiden. Die Leiterin des Heims, Frau Grunzei - oder wie die Kinder sie nennen, Frau Grunzmonster - macht den Kindern das Leben schwer. Deshalb wollen Mala und Viktor abhauen. Nur, wohin sollen sie gehen? Sie haben ja keine Eltern und Verwandten. Doch zum Glück lernen die beiden die wunderliche Bibliothekarin, Ophelia Mirakel und die Konditorin Zimtlinde, die die beste Schokolade und die besten Waffeln herstellt, kennen. Die Kinder dürfen die Ferien bei diesen beiden Damen verbringen und unterstützen sie bei ihrer jeweiligen Arbeit. Aber im Hause von Ophelia Mirakel geschehen seltsame Dinge. Mala und Viktor wollen unbedingt die Ursache dieses Spuks herausfinden.
Eine spannende und lustige Geschichte mit viel Magie.
K Phantasie Abenteuer Freundschaft. Ab 10, e. HA
* Paulsen, Gary: Harris und ich - Von Mörderschweinen, der Kuh Vivian, Ernie dem Hahn und... und... und.
A. d. Engl. von Ulli Günther und Herbert Günther.
München: dtv Reihe Hanser, 2020.
190 S., geb., Fr. 21.90.
(978-3-423-64065-7).
Der elfjährige Junge aus der Stadt muss seine Sommerferien bei Verwandten, die er gar nicht kennt, auf dem Land verbringen. Er ist sich die harte Arbeit auf der Farm nicht gewohnt. Sein um zwei Jahre jüngerer Cousin Harris führt ihn nicht so richtig in die Arbeit ein und hat seine helle Freude daran, wenn der unbeholfene Stadtjunge wieder einmal eine schmerzhafte Erfahrung mit den Tieren auf dem Land machen muss. Harris ist kräftig, ruppig, furchtlos und voller Blödsinn im Kopf. Und wenn die Arbeit getan ist, können sich die beiden Jungen austoben. Mit Harris' abenteuerlichen und gefährlichen Spielideen wird es nie langweilig auf der Farm der Larsons. Für beide werden es herrliche und unvergessliche Ferien, die viel zu schnell vergehen.
Die tagebuchähnliche Erzählung des Stadtjungen bietet einen Einblick in den Alltag einer Bauerfamilie. Er schildert das einfache Leben auf der abgelegenen Farm, geprägt von harter Arbeit und einem unzimperlichen aber trotzdem respektvollen Umgang untereinander.
K Abenteuer. Ab 10, e. HA
* Raúf, Onjali Q.: Der Junge aus der letzten Reihe.
Ill. von Pippa Curnick.
A. d. Engl. von Katharina Naumann.
Zürich: Atrium, 2020.
286 S., geb., Fr. 19.90.
(978-3-85535-630-0).
Alles fängt mit einem leeren Stuhl an!
Die 9-jährige Ich-Erzählerin beginnt ihre Geschichte mit dem leeren Platz hinten im Klassenzimmer. Jetzt sitzt dort ein Junge namens Ahmet. Er hat graue Augen, braunes Haar und verhält sich ein bisschen komisch. Aber inzwischen wissen Alexa und ihre drei besten Freunde, warum sich Ahmet so seltsam benimmt: Er kommt aus einem Land, in dem Krieg herrscht und aus dem er fliehen musste. Allein, ohne seine Eltern!
Seit Alexa herausgefunden hat, dass Ahmet "Tim und Struppi" genauso sehr mag wie sie, will sie seine beste Freundin sein und ihm helfen, seine Eltern wiederzufinden. Ein kühner Plan muss her! Dieser führt die Kinder bis zum Buckingham-Palace. Aber kann ihnen die Queen wirklich helfen?
Ernste Themen werden in dieser Geschichte behandelt. Es geht um Krieg, Flucht, Freundschaft, Zusammenhalt, Mut, Toleranz und Hilfsbereitschaft. Das Buch belichtet diese Themen konsequent aus der Sicht der Kinder. Das bietet oft Gelegenheit zum Schmunzeln, blendet aber den Ernst und die Machtlosigkeit der Situation nicht aus. Onjali Q. Raúf weckt mit ihrem preisgekrönten Erstlingswerk Verständnis und Mitgefühl. Sie erzählt spannend und informativ und motiviert mit ihrer Geschichte zum weiterführenden Gespräch.
J Flüchtling Schule Freundschaft. Ab 10, s.e. RH
* Read, Benjamin / Trinder, Laura: Mitternachtsstunde - Emily und die geheime Nachtpost.
A. d. Engl. von Birgit Niehaus.
Hamburg: Carlsen, 2020.
317 S., geb., Fr. 24.90.
(978-3-551-52117-0).
Emily lebt mit ihren Eltern in London und hat eine riesengrosse Klappe, die sie selten unter Kontrolle hat. Das Mädchen ist aber nicht nur schlagfertig, sondern auch mutig, unerschrocken und zielstrebig. Eines Nachts beobachtet sie, wie ihnen ein furchteinflössender Riese um Mitternacht einen Brief zustellt. Wenig später verschwindet ihre Mutter. Nach einigen Tagen meint Emilys Vater, dass auch er kurz weg müsse, um der Mutter zu helfen. Als dann der Vater nicht mehr zurück kommt, macht sich Emily auf die Suche nach ihren Eltern. Dabei gerät sie um Mitternacht in ein London, das sich im Mittelalter befindet und von Vampiren, Dämonen und Kobolden bevölkert wird. Ein spannendes, nervenzerreissendes sowie gruseliges und schauriges Abenteuer beginnt.
Mit ihrer Sprache, ihren Gedanken und Gefühlen befindet sich Emily auf der gleichen Ebene wie die jungen Leserinnen und Leser. Humorvoll werden die Lesenden zu Beginn des Buches abgeholt und schon sehr schnell wird Spannung aufgebaut, die bis zum Ende der Lektüre anhält. Es fällt einem schwer, das Buch zur Seite zu legen, bevor man den Ausgang der Geschichte kennt.
Eine Besonderheit: Im Dunkeln leuchtet auf dem Buchumschlag der Titel und ein Teil des Titelbildes.
K Fantasy, Abenteuer. Ab 10, e. HA
* Condie, Ally / Reichs, Brendan: Darkdeep - Insel der Schrecken.
A. d. Amerikan. von Leo H. Strohm.
Frankfurt a. M.: Fischer, 2020.
317 S., geb., Fr. 18.90.
(978-3-7373-4180-6).
Jedes Kind in der Ortschaft Timbers, Bundesstaat Washington, wächst mit Horrorgeschichten über die "Stumme Bucht" auf, einem kleinen, von hohen Klippen umringten und ewigem Nebel umhüllten Meeresarm. Wegen der steilen, zerklüfteten Felswände und der ständig wechselnden Strömungen ist die Bucht für Boote unzugänglich. Und dann sind da auch noch Gerüchte. Gerüchte über eine Bestie, die in der "Stummen Buch" ihr Unwesen treibt.
Ein perfekter Hintergrund für eine packende Schauergeschichte!
Im Zentrum des Abenteuers stehen die vier Freunde Nico, Opal, Tyler und Emma. Sie entdecken in der Bucht ein altes, verlassenes Hausboot mit einem riesigen Wasserbassin. Wer in das Wasser gerät, wird draussen im Meer wieder ausgespukt - aber nicht allein! Schreckgestalten aus der eigenen Phantasiewelt werden lebendig, und diese wollen nur eines: Zerstörung.
Sind die vier Freunde in der Lage, diese Schreckgestalten wieder zu stoppen?
Das Autorenpaar erzählt die Horrorgeschichte abwechselnd aus der Sicht von Nico und Opal. Das erzeugt zusätzlich Spannung und macht die Geschichte abwechslungsreich und komplex. Ein perfekter Schauerroman.
J Gruseln Fantasy Freundschaft. Ab 11, e. RH
* Reynolad, Jason: Brüder - Mutig wie wir.
A. d. Engl. von Klaus Fritz.
München: dtv, 2020.
378 S., geb., Fr. 21.90.
(978-3-423-64068-8).
Genie und Ernie sind zwei Brüder aus Brooklyn. Ihre Sommerferien verbringen sie bei den Grosseltern auf dem Land. Zwischen den Eltern kriselt es und ein Urlaub ohne Kinder soll zeigen, ob die Ehe der Eltern noch eine Chance hat.
Für den elfjährigen Genie und den vierzehnjährigen Ernie bedeutet das zuerst einmal Arbeit: Hof fegen, Erbsen ernten, Gemüse verkaufen - und eine Zeit ohne Internet!
Wie gut, dass Genie mit dem blinden, aber obercoolen Grossvater heimliche Nachtwanderungen macht und dass Ernie die hübsche und kluge Tess kennenlernt.
Ihr Grossvater ist echt ein besonderer Mensch. Er hat sich ein verrücktes Geschenk zu Ernies 14. Geburtstag ausgedacht: Schiessunterricht. Genie ist begeistert - keine gute Idee, findet Ernie. Als es beim Schiesstraining zu einem Unfall kommt, schweisst das Ereignis die Familie eng zusammen, und Genie erkennt, dass es viel mutiger sein kann, Nein zu sagen, als einfach mitzumachen.
Ein beindruckender Text, der konsequent aus der Sicht von Genie erzählt wird. Und der ganz nebenbei auch brisante Fragen zur Geschichte des Südens der USA aufwirft mitsamt Erinnerungen an Sklaverei, Rassismus, Alkoholismus und Waffenbesitz.
J Familienkonflikt Entwicklung. Ab 11, s.e. RH
* Uschmann, Oliver / Witt, Sylvia: Meer geht nicht : Roman.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
141 S., geb., € 17.90.
(978-3-407-74997-0).
Das Ehepaar Oliver Uschmann und Sylvia Witt veröffentlichen gemeinsam Jugendromane. Wichtig ist ihnen einen spannenden Stoff zu finden, der Spass macht und fesselt. Dieser Roman ist ein gelungenes Beispiel dafür:
Samuel, Bina und Sharif können es nicht fassen. Ihr neuer Freund Kevin war noch nie am Meer. Das Leben ist zu kurz, um so etwas aufzuschieben. Also starten die Freunde die Mission "Kevin ans Meer bringen". Heimlich, ohne Eltern.
Doch alles verläuft ganz anders als geplant. Ein Sturm, niederträchtige Diebe und eine Nacht im Wald lassen die Mission zu einem spannenden Road-Trip werden.
Das handliche Buch ist sorgfältig gemacht. Der Druck ist lesefreundlich. Das altersgerechte Abenteuer wird in kurzen und treffenden Sätzen erzählt und erzeugt eine starke Sogwirkung. So lässt sich Lesekompetenz einfach fördern.
J Freundschaft Reisen Abenteuer. Ab 11, s.e. RH
* Baron, Adam: Freischwimmen.
A. d. Engl. von Brigitt Kollmann.
München: Hanser, 2020.
122 S., geb., Fr. 24.90.
(978-3-446-26607-0).
Cymbeline, der Junge, welcher unter seinem aussergewöhnlichen Namen leidet, reitet auf einer Achterbahn der Gefühle. Seine Mutter sorgt seit Jahren dafür, dass er nie näheren Kontakt zum Wasser, zum Schwimmen bekommt. Warum wohl? Ein undurchsichtiges Familiengeheimnis... Der Ich-Erzähler Cymbeline muss sich freischwimmen von Dingen, von denen er nichts weiss. Schlimm wird es, als in der Schule Schwimm-Unterricht angesagt ist und Cym dabei beinahe ertrinkt. Ein übermächtiger Strudel des Lebens reisst den Jungen mit sich. "Wer die Wahrheit sucht, muss tief tauchen." Spannend vom Anfang bis zum unerwarteten Schluss.
J Familiengeheimnis. Ab 12, s.e. AG
* Foxlee, Karen: Alles, was wir träumten.
A. d. Engl. von Annette von der Weppen.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
345 S., geb., Fr. 21.90.
(978-3-407-75550-6).
Lenny, eigentlich Lenora, interessiert sich für Käfer; ihr jüngerer Bruder für Vögel. All ihr Wissen beziehen die beiden aus Lexikon-Teilen, welche monatlich in der vaterlosen Familie eintreffen. David leidet an einer seltsamen Krankheit: Er wächst und wächst und hört nicht auf. Aber: "Mit seinem Lächeln könnte man eine ganze Stadt beleuchten, eine Grossstadt, New York zum Beispiel!" Alles erträgt er, Schmerzen, Operationen, und er plant mit seiner grossen Schwester, welche bald viel kleiner als er selber ist, abenteuerliche Reisen in die Wildnis an den Bärensee. Die traurige, sehr berührende Geschichte erzählt auf eindrückliche Weise von einer unglaublichen Geschwister-Beziehung.
J Geschwister. Ab 12, s.e. AG
* Fülscher, Susanne: Ich will das nicht.
Hamburg: Carlsen, 2020.
108 S., brosch., Fr. 8.90.
(978-3-551-31825-1).
Zoe befindet sich in einem furchtbaren Dilemma. Was soll sie tun? Mit wem kann sie darüber sprechen, dass ihr Trainer Timo aus der Zirkus-AG ihr nachstellt und dabei Grenzen klar überschreitet? Aber Timo ist doch ein toller Trainer, der alle Mädchen motivieren und zu Höchstleistungen anspornen kann. Mit seiner Gänsehaut-Stimme und seinem Wolfsblick ist er ein charmanter, gut aussehender junger Mann. Könnte Timo Zoes Verhalten als Aufforderung verstanden haben? Die Situation ist äusserst vertrackt. Zoe schämt sich und hat Angst mit irgendjemandem über die Vorfälle zu sprechen. Aber einfach nicht mehr zum Training gehen, so kurz vor der grossen Aufführung, auf die sie alle hart gearbeitet haben, geht doch nicht. Sie kann ihre Kolleginnen aus der Zirkus-AG nicht hängen lassen. Und einfach Schwamm drüber und so tun als wäre nichts geschehen, schaffen Zoes Ängste und unangenehmen Gefühle auch nicht aus der Welt.
Dieses kleine Buch macht jungen Leserinnen Mut, sich einer Person anzuvertrauen, und zwar möglichst rasch, und über die Vorfälle ohne Angst und Scham zu sprechen, wenn sie in eine ähnliche Situation geraten sollten.
J Sexueller Missbrauch. Ab 12, e. HA
* Hoch, Jana: Royal Horses Kronenherz.
Würzburg: Arena, 2020.
360 S., geb., Fr. 21.90.
(978-3-401-60520-3).
Greta flieht wegen einem Vorfall mit ihren Freunden für einen Ferienjob auf ein Gestüt der Royals. Obwohl sie eigentlich noch nichts mit Pferden oder Royals zu tun hat, gefällt ihr die Arbeit sehr gut. Sie kann anpacken und hat nicht viel Zeit über ihre Vergangenheit nachzudenken. Allerdings gerät sie schon am ersten Tag mit dem Pferdetrainer Edward aneinander und wenig später kommt auch noch Prinz Tristan zu Besuch. Es kommt noch zu weiteren Verwicklungen und zu allem Überfluss merkt Greta, dass sie auch noch im Begriff ist sich zu verlieben.
Spannend und mitreissend dreht sich dieser Mädchenroman um die Themen Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Pferde.
J Mädchen, Pferde, Liebe. Ab 12, s.e. SW
* Moeyaert, Bart: Bianca.
A. d. Niederländ. von Bettina Bach.
München: Hanser, 2020.
130 S., geb., Fr. 23.90.
(978-3-446-26618-6).
Sie ist ein 12-jähriges Mädchen, "für welches man eine Gebrauchsanweisung benötigt", wie ihre Mutter betont. Bianca, welche sich lieber Perdon nennen möchte, hat einen schwerkranken Bruder, einen fortgezogenen Vater, eine hysterische Mutter, also wahrhaftig ein trauriges Teenager-Leben. Ein Trost im nicht einfachen Alltag ist die Fernseh-Serie "Hier bei uns". Zufälligerweise lernt Bianca die von ihr verehrte Hauptdarstellerin der Fernseh-Show kennen. Aber was kann sie tun, damit das Chaos in ihrem Kopf und jenes in ihrem Leben aufhört?
J Familien-Probleme. Ab 12, e. AG
* Wich, Henriette: Lost in Australien.
Hamburg: Carlsen, 2020.
204 S., brosch., Fr. 16.90.
(978-3-551-31781-0).
Alina ist süchtig nach den Lautsprecher-Durchsagen und den grossen Anzeigetafeln des Münchner Flughafens. Ihr Traum: Ein Jahr "Work and Travel" in Australien! Doch diese Reise mit der schwierigen Urlaubsbekanntschaft Susanne, genannt Sunny, quer durch den grossen Kontinent bringt viel Aufregendes und Unerwartetes.Und dann verliebt sich Alina in den Musiker Mason...
J Australien. Ab 13, e. AG
* Bongard, Katrin: Es war die Nachtigall.
München: Hanser, 2020.
271 S., brosch., Fr. 22.30.
(978-3-446-26609-4).
Die 18- jährige Marie ist voll engagiert im Tier- und Umweltschutz. Ihre vegane Lebensweise zeugt ebenfalls davon. Bei einem Konzert lernt sie Ludwig kennen. Er hat gerade den Jagdschein gemacht und geniesst die spezielle Atmosphäre auf der Pirsch. Marie und Ludwig verlieben sich - trotz ihrer Gegensätzlichkeit. Wie können sie ihre Beziehung der Familie, dem Freundeskreis erklären?
Eine wohl bekannte Ausgangslage in der Literatur mit aktuellen Themen: Zwei Liebende, und zwischen ihnen einiges, das sie trennt. Romeo und Julia in einer Neufassung. Die Charakteren sind nachvollziehbar beschrieben und ihr Handeln wirkt authentisch.
J Liebe Umwelt. Ab 14, e. ls
* Falk, Alana: Gods of Ivy Hall Cursed Kiss.
Ravensburg: Ravensburger, 2020.
512 S., geb., Fr. 29.90.
(978-3-473-40189-5).
Erin hat bei einem Unfall ihre grosse Schwester verloren. Ihr brutaler und gewaltätiger Schwager ist Schuld an ihrem Tod und bedroht nun auch sie und ihre kleine Schwester. In ihrer Wut schliesst sich Erin den Rachegöttinnen an und stellt sich in den Dienst von Hades, um solche Männer zu bestrafen. Jede Woche muss sie nun mit einem Kuss einem Mann die Seele stehlen. Das allein ist für sie schon grausam, als sie die Folgen sieht. Aber sie darf sich auch nie verlieben und einen Mann küssen. Da trifft sie auf einer Party Arden und gerät in einen noch grösseren Gewissenskonflikt. Aber ist Arden wirklich so gut wie er scheint und kann sie ihre Familie beschützen? Spannender Einstieg in die College- Romantasy-Reihe.
J Liebe, Tod, Fantasy. Ab 14, e. SW
* Gratz, Alan: Vor uns das Meer.
A. d. Engl. von Meritxell Jsnina Piel.
München: Hanser, 2020.
299 S., geb., Fr. 27.90.
(978-3-446-26613-1).
Drei Jugendliche, drei Jahrzehnte, eine Hoffnung! Drei Kinder aus drei Regionen der Welt und zu unterschiedlichen Zeiten sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Der US-amerikanische Autor erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Josef (1933 aus Berlin vor den Nazis geflüchtet), Isabel (1994 beim Versuch, dem Hunger aus Kuba zu entrinnen) und Mahmoud (unterwegs 2015 auf Irrwegen aus dem zerstörten Aleppo). Ziel des Autors ist es, bei den jungen Leserinnen und Lesern nicht einfach Mitleid, sondern echte Gefühle für Kinder auf der Flucht zu wecken. Auf doppelseitigen Landkarten werden die Fluchttouren der drei Schicksals-Kinder eindrücklich nachgezeichnet.
J Flüchtlingskinder. Ab 14, s.e. AG
* Liggett, Kim: The Grace Year.
A. d. Amerikan. von Birgit Salzmann.
Hamburg: Dressler, 2020.
416 S., geb., Fr. 34.90.
(978-3-7915-0162-8).
In Garner Country werden junge Frauen für ein Jahr in die Wildnis verbannt, da die Männer glauben sie besässen magische Kräfte, die ihnen schaden. Über dieses Jahr darf nicht gesprochen werden. Wer zurückkommt wird verheiratet oder ins Arbeitshaus geschickt. Nicht alle kommen überhaupt wieder oder unverletzt zurück. Was geschieht dort wirklich? Tierney möchte später arbeiten und frei sein, wird aber als Braut ihres besten Freundes losgeschickt. Schon bald muss sie feststellen wie gross der Hass unter den Mädchen ist und wo die wirklichen Gefahren lauern.
Spannend und sehr fesselnd, aber auch bedrückend und schockierend, ähnlich wie "Die Geschichte der Dienerin" von M. Atwood. Freiheit, Emanzipation, Liebe und Widerstand gegen Unterdrückung sind die grossen Themen dieser Dystopie.
J Freiheit, Unterdrückung, Liebe. Ab 14, e. SW
* McCauley, Kyrie: You are (not) safe here.
A. d. Amerikan. von Uwe-Michael Gutzschhahn.
München: dtv, 2020.
392 S., brosch., Fr. 22.30.
(978-3-423-74055-5).
Die 17-jährige Leighton steckt in ihrem letzten Schuljahr vor dem Wechsel an die Uni. Ihre Schulleistungen sind gut, dank ihrem Fleiss. Und doch ist sie nicht sicher, ob sie überhaupt fort kann von zuhause. Wer beschützt dann ihre jüngeren Schwestern? Denn wenn immer ihr Vater von grosser Wut gepackt wird, randaliert er, misshandelt die Mutter. Und trotzdem schafft es die Mutter nicht sich von ihm zu trennen. Leighton erhält Unterstützung von ihrem Freund Liam. Und dann ist da noch die Krähe Joe, mit Abertausenden von Artgenossen, welche die Stadt belagern. Doch Joe scheint die Schwestern speziell zu bewachen.
Die Geschichte über häusliche Gewalt behandelt ein äusserst aktuelles Thema in einem speziellen Ambiente. Die präzise Sprache, die wie feine Pinselstriche fast schon mystische Bilder zeichnet, und die klare Entwicklung der Charakteren geben der Geschichte einen spezielle Note.
J Familienkonflikt Gewalt. Ab 14, s.e. ls
* Miranda, Megan: Trügerisch.
A. d. Engl. von Birgit Maria Pfaffinger.
Hamburg: Carlsen, 2020.
362 S., brosch., Fr. 19.30.
(978-3-551-31785-8).
Caleb ist tödlich verunfallt. Jessa spürt, dass alle in ihrer Umgebung ihr die Schuld geben. Doch ihre Beziehung zu Caleb hatten sie schon vorher beendet. Nun will aber Calebs Mutter, dass Jessa sein Zimmer räumt. Die Familie will wegziehen. Jessa sagt zu und hofft, dass sie so den Verlust überwinden kann. Beim Räumen trifft sie unterschiedliche Dinge, die in ihr Erinnerungen an die gemeinsame Zeit wecken. Doch im Rückblick tauchen da auch Ungereimtheiten auf. Und wieso verfolgt Calebs Mutter sie? Jessa will die Geheimnisse lüften und bringt sich damit in Gefahr.
Was als Trauergeschichte beginnt, endet in einem wahren Thriller. So wird die Spannung stetig gesteigert, die Gedanken der Leserschaft auf falsche Fährten geführt, und nur langsam bekommen die Bilder der Vergangenheit einen Bezug zu der aktuellen Situation.
J Thriller Psychologisches. Ab 14, s.e. ls
* Walton, Julia: Wörter an den Wänden.
A. d. Amerikan. von Violeta Topalova.
Zürich: Arctis, 2020.
297 S., geb., Fr. 24.90.
(978-3-03880-039-2).
Eigentlich ist dieser traurige Roman ein Tagebuch für den Psychiater, bei welchem der 16-jährige Adam Petrazelli zwar zuhört, aber mit welchem er über das ganze Jahr der Geschichte nicht sprechen will. Adam leidet an Schizophrenie, hört Stimmen, sieht Menschen, welche nicht existieren. "Mein Leben besteht daraus, dass ich Dinge sehe, die ich wahrscheinlich nicht glauben sollte". Die Realität, auch an der teuren Privatschule, ist ein seltsamer Ort, wenn man sich selbst nicht trauen kann. Rebecca, ist sie echt? Und Maya, welche sich, wie die grossartige Mutter, mit viel Liebe um Adam kümmert? Gemeinsam gehen sie den holprigen Pfad der Freundschaft.
J Krankheit, Freundschaft. Ab 14, s.e. AG
* Duda, Christian: Milchgesicht.
Weinheim: Beltz+Gelberg, 2020.
155 S., geb., Fr. 23.90.
(978-3-407-75543-8).
Oma Cäcilia wurde 1925, wie alle ihre Geschwister, vom Vater wegen grosser materieller Not mit 12 Jahren zum Arbeiten an einen reichen Bauern verkauft. Sie ist die Grossmutter des Schriftstellers, hat ihn aufgezogen, nun geht er in diesem Roman ihrer Geschichte nach. Fast alles ist Vermutung, das Wenigste beruht auf Wissen. Es ist der Versuch, einem längst vergangenen Leben in Oesterreich Gestalt zu geben. Sepp, ein Verwandter der Hauptperson Cäcilia, kommt mit schwerer Krankheit zur Welt. Milchgesicht genannt wird er von einer einsamen, alleinstehenden Tante aufgezogen. Ausgrenzung, Armut, ein schwieriges Thema, eher für Erwachsene geeignet.
E Lebensbild von früher. Ab 15, e. AG